Influencer-Marketing-Kooperationen aus der Sicht eines Influencers

Wissen Unternehmen überhaupt welche Gedanken sich ein Influencer vor, während und nach einer Kooperationsanfrage oder auch während der Kooperation macht? Einige bestimmt, aber sicherlich nicht alle. In diesem Beitrag erhaltet ihr einen kleinen Einblick in das Daily Business eines Influencers.

Inhalt

  1. Wie kommt eine Influencer Kooperation zu Stande?
  2. Kooperationsanfrage eines Unternehmens/Marke
  3. Proaktive Kooperations-Akquise
  4. Fazit

1. Wie kommt eine Influencer Kooperation zu Stande?

Wie eine Kooperation zwischen Influencer und Marke zu Stande kommt ist immer sehr unterschiedlich. Ein Großteil lässt sich zwei Arten zu ordnen:

  1. Kooperationsanfrage eines Unternehmens an den Influencer
  2. Gewinnung neuer Kooperationspartner durch proaktive Akquise durch den Influencern

Daneben gibt es noch viele andere Möglichkeiten, die allerdings nur einen Bruchteil ausmachen, beispielsweise wenn der Influencer selbst Mitarbeiter des Unternehmens ist oder der Influencer jemanden im Unternehmen kennt. Im folgenden Artikel werden daher nur die beiden klassischen Wege, wie Influencer zu ihren Kooperationen kommen, genauer beleuchtet. Dabei liegt der Fokus auf der Influencer Perspektive und den Gedanken sowie möglichen Pain Points.

2. Kooperationsanfrage eines Unternehmens/Marke

Aus der Sicht eines Influencers Vor kurzem erreichte mich die Kooperationsanfrage einer Marke, die ich bisher noch nicht kannte. Die E-Mail beinhaltete alle Informationen zum Unternehmen und ihren Produkten sowie Links zu relevanten Seiten, auf denen ich mich informieren konnte. Zudem wurde ich direkt gefragt, ob ich mir eine Zusammenarbeit vorstellen könnte.

Ich schaute mir alles genau an und überlegte:

  • Passen die Marke und die Produkte zu mir?
  • Gefällt die Marke/Produkte meinen Followern?
  • Wie könnte ich die Produkte in meinen Content integrieren?
  • Unter welchen Bedingungen würde ich mit dieser Marken zusammenarbeiten?

Ich kam zu dem Schluss, dass die Marke sowie einzelne Produkte gut zu mir passten und auch meinen Followern gefallen würden. Daher antwortete ich, dass ich mich sehr über die Anfrage freue und ich mir eine Zusammenarbeit gut vorstellen kann. Zudem fragte ich, ob sie schon eine genaue Vorstellung zur Kooperation haben.

Am nächsten Tag hatte ich schon die Antwort im Posteingang. Die Marke freute sich ebenfalls und schlug mir eine Kombination aus Barter-Deal und Verkaufs-Provision an. Da ich bereits einmal schlechte Erfahrungen mit Kooperationen auf Basis von Verkaufs-Provision hatte, war diese Nachricht ein kleiner Dämpfer:

  • Woher weiß ich, dass die Marke die Verkäufe richtig trackt?
  • Wenn keiner meiner Follower etwas kauft, produziere ich meinen Content für den Wert des Produkts.
  • Haben sie sicher kein Budget, um meine Leistung zu vergüten?

Daher entschied ich mich der Marke meine Bedenken bzgl. der Verkaufs-Provision mitzuteilen und gab ihnen in der Mail direkt meine aktuellen Preise pro Post und Story mit. Zudem war es mir wichtig ihnen zu sagen, dass ich hoffte, dass wir dennoch einen gemeinsamen Weg finden.

  • Hoffentlich versteht die Marke meine Bedenken.

Bereits nach wenigen Stunden antwortete die Marke, dass sie intern gesprochen haben und sie sich auch eine bezahlte Kooperation vorstellen könnten. Wir verhandelten noch über die Anzahl der Aktionen, Produkte und das Budget und kamen dann auf einen gemeinsamen Nenner.

  • Wie gestalte ich den Content?
  • Wie binde ich das Thema ein?
  • Was schreibe ich dazu?

Einen Vertrag oder ein Briefing für die Kooperation gab es nie. Die Marke lies mir freie Hand die Produkte in meinen Content einzubauen. Ich schickte meine fertigen Entwürfe vor dem Posten kurz per Mail – die Begeisterung war groß, es gab keine Anmerkungen oder Korrekturen! Also postete ich meinen Content jeweils mit Tracking-Link zum Onlineshop.

Einige Tage nach dem Posten schicke ich die Screenshots meiner Insights an den Kunden per Mail und bedankte mich für die Zusammenarbeit. Mit einer netten E-Mail bedankte sich der Kunde ebenfalls bei mir und versprach mir sich in Zukunft nochmal zu melden. Dies ist bisher noch nicht geschehen.

Prinzipiell arbeite ich gerne mit kleinen/jungen Marken. Das Problem ist nur, dass mir diese keine Planungssicherheit geben können, denn mit einer kleinen Kooperation im Sommer und einer kleinen Kooperation zum Produktlaunch, kann ich mein Leben nicht finanzieren.

Learnings für Unternehmen und Marken:

  • Ausführliches und informatives Anschreiben, um den Influencer für die Marke zu gewinnen
  • Flexibilität bei der Vergütung, um einen gemeinsamen Weg zu finden
  • Verträge, um die Sicherheit beider Seiten zu gewährleisten
  • Briefing erstellen, um dem Influencer einen Rahmen für seinen Content zu geben
  • Insights anfragen, um eine Auswertung der Kampagne zu ermöglichen
  • Kontakt mit Influencern auch nach der Kooperation oder Kampagne aufrechterhalten, um eine Beziehung aufzubauen
  • Langfristige Kooperationen planen, um attraktiver für Influencer zu sein

3. Proaktive Kooperations-Akquise

Roadtrip Bild Aus der Sicht eines Influencers Im letzten Jahr plante ich einen Roadtrip, bei dem ich mir gut vorstellen konnte verschiedene Produkte in meinen Content einzubauen. Dementsprechend kontaktierte ich Unternehmen, die ich gut einbinden könnte. Darunter verschiedenste Branchen wie Hotellerie, Camping-Ausrüstung, Outdoorbekleidung etc.

  • Ich hoffe die Marken wollen auch mit mir zusammenarbeiten.

Von einigen bekam ich keine Antwort, was aber auch nicht weiter schlimm war. Denn mein Favorit antwortete mir, dass sie Interesse an einer Zusammenarbeiten haben. Sie teilten mir auch mit, dass sie bisher keinerlei Erfahrungen mit Influencer Marketing haben und sie deshalb auf meine Vorschläge hofften.

  • Was kann ich der Marke vorschlagen?

Da ich die Preise der Produkte (Camping-Ausrüstung) kannte und ich diese auch für mich privat benötigte, schlug ich einen Barter-Deal ohne feste Anzahl an Post und Storys vor, garantierte aber, dass die Produkte während des Roadtrips sowieso täglich zu sehen sein werden und auch danach bei Ausflügen zum Einsatz kämen.

Der Kunde war zufrieden und setzte einen Vertrag auf, in dem festgehalten wurde, dass ich sowohl online als auch offline positiv über die Marke sprechen werde. Eine Freigabe des Contents war demnach nicht gefordert und wäre auch von unterwegs schwierig umsetzbar gewesen.

Insgesamt war die Zusammenarbeit für mich recht pflegeleicht und wenig aufwendig, da ich die Ideen für den Content bereits vorher im Kopf hatte und ich unabhängig arbeiten konnte. Allerdings habe ich nie Feedback vom Kunden bekommen, was etwas schade war, aber vermutlich daran liegt, dass der Kunde keinerlei Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Influencern hatte. Aber die Produkte nutze ich bis heute noch regelmäßig und kommuniziere dies auch!

Learnings für Unternehmen und Marken:

  • Influencer Marketing Grundlagenwissen aneignen
  • Leichtere Verhandlungssituation, wenn der Influencer auf die Marke zugeht
  • Content Freigabe vereinbaren, sofern möglich
  • Feedback an den Influencer geben

4. Fazit

Egal, ob die Kooperation von der Marke oder dem Influencer ausgeht, wenn beide ehrlich und offen mit einander kommunizieren, kann die Kooperation ein Erfolg werden. Dennoch liegt die Vermutung nicht fern, dass die Motivation eines Influencers höher ist, wenn er diese proaktiv organisiert hat.

Für die Zukunft ist es wünschenswert, dass Unternehmen und Influencer transparent und ehrlich zusammenarbeiten - nur so kann Verständnis auf beiden Seiten entstehen. So können sowohl Erwartungen als auch Bedenken offen kommuniziert werden. Ziel sollte sein, dass Influencer und Unternehmen sich Gegenseitig als Partner sehen, denn langfristiger Beziehungsaufbau sollte auf beiden Seiten im Fokus stehen. Sowohl Influencer als auch Unternehmen müssen sich zunehmends professionalisieren um erfolgreich im Influencer Marketing zu sein.

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