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Influencer Marketing für Versicherungen: So gelingt der Vertrauensaufbau in einer skeptischen Branche

Versicherungen gehören nicht gerade zu den Produkten, über die man beim Scrollen auf Instagram oder TikTok freiwillig stolpern möchte. Sie sind komplex, erklärungsbedürftig und bei vielen Menschen mit Skepsis verbunden. Genau deshalb ist die Herausforderung (und Chance) so groß: Wer es schafft, Versicherungsthemen verständlich, relevant und menschlich zu erzählen, gewinnt Aufmerksamkeit und vor allem Vertrauen.

Influencer Marketing kann dabei ein echter Hebel sein. Ihre Community folgt ihnen über Jahre, erlebt Alltag, Entscheidungen und persönliche Geschichten. Wenn Versicherungen in diesem Umfeld auftauchen, funktionieren sie am besten nicht als Werbebotschaft, sondern als hilfreicher Kontext: „Woran hätte ich früher denken sollen?“, „Was passiert im Ernstfall wirklich?“ oder „Wie treffe ich eine gute Entscheidung, ohne mich zu überfordern?“

Dieser Artikel zeigt, wie Influencer Marketing in einer skeptischen Branche wie der Versicherungswelt trotzdem (oder gerade deshalb) funktioniert: Welche Ziele sinnvoll sind, welche Creator wirklich Vertrauen aufbauen, welche Formate sich eignen und wie man Transparenz, Compliance und authentisches Storytelling so zusammenbringt, damit am Ende nicht nur Reichweite entsteht, sondern Glaubwürdigkeit.

Inhalt

  1. Warum die Branche skeptisch ist

  2. So funktioniert Influencer Marketing bei Versicherungen besonders gut

  3. Die richtige Creator Auswahl

  4. Content-Formate, die funktionieren

  5. Takeaways

1. Warum die Branche skeptisch ist

Influencer Marketing lebt von Nähe und Emotion. Versicherungen hingegen stehen für Sicherheit, Verlässlichkeit und oft auch für lange Entscheidungsprozesse. Diese Mischung sorgt dafür, dass viele Versicherer dem Kanal erstmal zurückhaltend begegnen.

Die Skepsis ist nicht unbegründet, sie hat ganz konkrete Ursachen.

Geringe Fehlertoleranz: Es geht um Geld, Sicherheit und Vertrauen

Bei Kosmetik oder Fashion ist ein „Fehlkauf“ ärgerlich, aber selten existenziell. Bei Versicherungen ist die Erwartung eine andere: Menschen verbinden damit Schutz in kritischen Situationen – Unfall, Krankheit, Schadenfall, Zukunftsvorsorge. Sobald eine Botschaft unklar, übertrieben oder irreführend wirkt, kippt das Vertrauen schnell. Und was in Social Media binnen Sekunden passiert, lässt sich nur schwer wieder einfangen.

Skepsis in der Zielgruppe: Versicherungen müssen mehr beweisen als andere

Viele Menschen haben bereits negative Erfahrungen gemacht: Undurchsichtige Tarife, komplizierte Bedingungen, „kleingedruckt“, lange Bearbeitungszeiten. Das sitzt tief. Deshalb werden Versicherungsbotschaften stärker hinterfragt als klassische Konsumgüterwerbung.

Angst vor „Werbecringe“: Versicherungen wirken schnell unpassend

Versicherungen wirken schnell „unsexy“ oder aufgesetzt. Wenn ein Creator abrupt von Entertainment zu Versicherungswerbung wechselt, fühlt sich das für viele wie ein Stilbruch an und die Botschaft verliert genau das, was sie eigentlich erzeugen soll: Glaubwürdigkeit.

2. So funktioniert Influencer Marketing bei Versicherungen besonders gut

Aus dieser Skepsis ergibt sich eine klare Konsequenz: Versicherungen gewinnen im Influencer Marketing über Vertrauen.

Dafür braucht es ein anderes Set-up als in vielen klassischen Influencer-Kategorien. Im Vordergrund steht nicht der schnelle „Buy now“-Moment, sondern Orientierung: Was ist wirklich relevant? Was sind typische Denkfehler? Und woran erkennt man, ob ein Produkt zur eigenen Lebenssituation passt? Besonders gut funktionieren Inhalte, die Versicherung als etwas Alltägliches greifbar machen – eingebettet in Situationen, die jeder kennt: Umzug, Reise, neues Auto, erste Wohnung, Familiengründung, Haustier, Selbstständigkeit. Sobald die Story an echte Lebensrealität andockt, wird aus einem abstrakten Produkt ein nachvollziehbares Thema.

Entscheidend ist dabei die Tonalität: weniger Werbesprache, mehr „Ich nehme euch mit“. Creator können komplexe Inhalte übersetzen, ohne dass es wie ein Beratungsgespräch wirkt.

Diese edukativen Ansätze sind für Versicherungen meist wirksamer, weil sie den größten Hebel adressieren: Unsicherheit und Überforderung.

3. Die richtige Creator Auswahl

Bei Versicherungen steht und fällt alles mit der Person vor der Kamera. Wenn die Creator-Auswahl nicht sitzt, wirkt die Kooperation sofort wie „Werbung um jeden Preis“ und genau das triggert Skepsis.

Am besten passen Creator, die ohnehin nah an echten Alltagsthemen erzählen: Umzug, Reisen, erste Wohnung, Familienplanung, Selbstständigkeit, Auto, Haustier – also Momente, in denen Versicherung plötzlich ganz praktisch wird. Oft sind Nano- und Mikro-Creator hier sogar stärker, weil ihre Community persönlicher ist und mehr Dialog entsteht. Ein guter Reality-Check ist die Kommentarspalte: Werden echte Fragen gestellt („Wie läuft das im Schadenfall?“), teilen Menschen Erfahrungen oder diskutieren sie respektvoll? Dann ist da schon Vertrauen, auf das man aufbauen kann.

Wichtig ist außerdem der Blick auf das „Werbeverhalten“: Wer heute Shampoo, morgen Krypto, übermorgen Versicherung als „absoluten Gamechanger“ verkauft, verliert gerade bei sensiblen Themen an Glaubwürdigkeit. Viel authentischer wirken Creator, die transparent sind, Dinge einordnen können und nicht so tun, als gäbe es die perfekte Lösung für alle. Wenn jemand sagen kann: „Das hat mir geholfen, aber schau, ob es zu deiner Situation passt“, ist das für Versicherungen Gold wert.

Kurz: Die besten Creator für Versicherungsmarken sind nicht die bekanntesten, sondern die, die nahbar, verlässlich und realistisch kommunizieren – so, wie man es von einer Versicherung im Idealfall auch erwartet.

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4. Content Formate, die funktionieren

  • Reels/TikTok: Real-Life-Story („Mir ist X passiert…“)
    Startet mit einer Alltagssituation (Umzug, Reise, Auto, Haustier, erste Wohnung) und zeigt den Aha-Moment: „Hätte ich das mal vorher gewusst.“ Das macht Versicherung greifbar, weil es nicht um Produkte, sondern um echte Situationen geht.

  • „3 Dinge, die ich früher gern gewusst hätte“
    Kurze, snackable Learnings statt langer Erklärtexte – perfekt fürs Scroll-Verhalten. Funktioniert besonders gut, wenn es konkrete Beispiele gibt („Wenn du X, dann Y“). Hohe Save-Rate, weil es als Mini-Checkliste genutzt wird.

  • Myth-Busting / „Stimmt das wirklich?“
    Viele haben Halbwissen zu Versicherungen. Dieses Format räumt damit auf, ohne belehrend zu wirken. Ein Mythos pro Video, dann eine einfache Erklärung und ein praktischer Tipp. Schafft Vertrauen, weil es Klarheit statt Marketing verspricht.

  • Stories: Umfragen, Quiz & Mini-Erklärstrecken
    Interaktive Sticker holen die Community rein („Wer hat das abgesichert?“) und liefern direkt Feedback zur Zielgruppe. Danach kann der Creator in 3 - 5 Slides kurz erklären, worauf es ankommt. Ideal, um niedrigschwellig Wissen aufzubauen.

  • Stories: Q&A („Fragt mich alles zu…“)
    Community-Fragen sind Gold, weil sie echte Unsicherheiten zeigen. Creator beantworten sie in ihrer Sprache und können dabei transparent bleiben. Das wirkt service-orientiert und stärkt Glaubwürdigkeit.

  • Carousel/LinkedIn-Post: Checkliste oder „Guide in 7 Punkten“
    Besonders geeignet, um strukturierte Informationen zu geben (z. B. „Was du vor der Reise prüfen solltest“). Carousels werden oft gespeichert und weitergeschickt. Gleichzeitig wirkt das Format seriös und „beratungssicher“.

  • Longform: YouTube/Podcast/Interview
    Für komplexere Themen (Vorsorge, BU, Gesundheit) braucht es manchmal mehr Tiefe. Ein Gespräch mit Expert:in oder ein persönlicher Erfahrungsbericht erlaubt Einordnung. Baut langfristig Vertrauen auf, auch wenn die Reichweite kleiner ist.

  • Live/Stream: „Frag die Expertin“
    Live-Formate sind super für Transparenz, weil Fragen direkt beantwortet werden können. Sie zeigen, dass die Marke nicht ausweicht, sondern erklärt. Perfekt als wiederkehrendes Format (z. B. monatlich).

5. Takeaways

Damit Influencer Marketing für Versicherungen wirklich funktioniert, muss es sich eher wie ein guter Tipp anfühlen statt Werbung. Niemand scrollt durch TikTok und denkt: „Jetzt hätte ich gern was zu Versicherungen“, aber viele bleiben hängen, wenn ein Thema plötzlich in ihrem echten Leben auftaucht. Es lohnt sich mehr, mit Creatorn zu arbeiten, die glaubwürdig wirken und deren Community ihnen wirklich vertraut, als einfach nur Reichweite einzukaufen.

Versicherung wird vor allem dann spannend, wenn sie in Situationen erzählt wird, die man kennt: Umzug, Reise, erstes Auto, erste Wohnung, Haustier, Selbstständigkeit – diese „Life-Momente“ machen sofort klar, warum das Thema überhaupt relevant ist. Und statt Produktfeatures runterzubeten, funktioniert es besser, Orientierung zu geben: Was sollte ich wissen? Was sind typische Denkfehler? Worauf muss ich achten? Genau deshalb performen Formate wie Q&As, Myth-Busting oder kleine Checklisten oft so gut. Sie wirken hilfreich, nicht verkäuferisch, und werden eher gespeichert und weitergeschickt.

Wichtig ist auch die Tonalität: Lieber ehrlich und realistisch sprechen, als alles glattzubügeln. Und dieses Vertrauen entsteht selten über Nacht. Ein einzelner Post kann ein guter Start sein, aber richtig glaubwürdig wird es, wenn die Marke mehrfach auftaucht, wiedererkennbar bleibt und über Zeit beweist, dass sie nicht nur verkaufen, sondern wirklich helfen möchte.

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