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Die auffälligsten Influencer-Kampagnen aus DACH

Während sich viele Influencer-Kampagnen immer noch nach „ein paar Reels plus Rabattcode“ anfühlen, spielen die besten Creator-Cases längst in einer anderen Liga: Sie bauen Mechaniken, die Menschen freiwillig teilen. Sie drehen das klassische Werbeprinzip um, machen aus einem Produkt ein Meme-Objekt oder verwandeln eine Promotion in ein Ritual, das plötzlich überall auftaucht: online wie offline.


In diesem Artikel schauen wir uns außergewöhnliche und extrem erfolgreiche Creator-Kampagnen aus dem DACH-Raum an, inklusive der Frage, warum sie funktioniert haben und was Brands konkret davon nachbauen können.

Inhalt

  1. Was macht eine Creator-Kampagne „außergewöhnlich“?

  2. Case 1: Österreich Werbung #iamAUT

  3. Case 2: Ford Deutschland x Knossi

  4. Case 3: HORNBACH Projekt-Meisterschaft

  5. Case 4: Kleinanzeigen "Lea-Prinzip"

  6. Fazit

1. Was macht eine Creator-Kampagne "außergewöhnlich?

Eine Creator-Kampagne ist „außergewöhnlich“, wenn sie die Stärken von Influencer Marketing voll ausspielt und dabei trotzdem überraschend wirkt. Es geht weniger um den größten Namen oder die meisten Posts, sondern um eine Idee mit klarer Mechanik, die man in einem Satz versteht und die sich im Feed sofort abhebt. Außergewöhnliche Kampagnen nehmen Creator:innen als echte Partner:innen ernst: Sie nutzen deren Blick auf die Community, deren Tonalität und deren Formatgefühl, statt nur ein Briefing „ausrollen“ zu lassen. Und es hat etwas, worüber Menschen reden wollen: einen Twist, einen Moment, ein Format oder eine Inszenierung, die Gesprächswert hat und dadurch organisch weitergetragen wird. Kurz gesagt: Außergewöhnlich ist eine Creator-Kampagne dann, wenn sie Creator-Relevanz, Plattform-Logik und Markenidee so gut zusammenbringt, dass nicht nur Reichweite entsteht, sondern echte Aufmerksamkeit, Wiedererkennung und Wirkung.

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2. Case 1: Österreich Werbung #iamAUT

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Die Österreich Werbung hat mit #iamAUT eine Creator-Kampagne gebaut, die auf den ersten Blick simpel wirkt und gerade deshalb so stark ist: Statt Influencer:innen wie üblich für Content einzukaufen, bekommen sie etwas, das in dieser Branche fast schon luxuriös ist – echten offline Urlaub. Der Ausgangspunkt ist ein gesellschaftlich sehr anschlussfähiger Insight: Der Druck, ständig online zu sein, betrifft längst nicht mehr nur Creator, sondern viele Menschen generell. Genau daran dockt #iamAUT an und positioniert Österreich als Ort, an dem man wortwörtlich „abschalten“ kann.

Der entscheidende Twist ist die Takeover-Mechanik: Während internationale Influencer:innen in Österreich eine Social-Media-freie Auszeit verbringen, werden ihre reichweitenstarken Accounts von „normalen“ Österreicher:innen übernommen, den sogenannten AUTfluencer:innen. Diese Locals posten in der Zwischenzeit Stories und Reels, die das österreichische Lebensgefühl aus einer echten Alltags-Perspektive zeigen. So bleibt der Kanal aktiv, die Followerschaft wird weiter unterhalten, aber die Creator:innen sind raus aus der Content-Pflicht und können die Reise wirklich erleben.

Laut Österreich Werbung verbrachten Influencer:innen ihre Offline-Zeit in mehreren Regionen, u. a. Salzburg, Schladming, Seefeld und rund um den Traunsee/Salzkammergut. Als Beispiele werden genannt: die deutsche Influencerin xLaeta in Salzburg (Takeover durch AUTfluencerin Lieselotte), die Italienerin Giulia Lamarca in Schladming, Polina Burashnikova aus den Niederlanden in Seefeld und Jitka Novackova aus Tschechien am Traunsee.

Was #iamAUT dabei besonders „kampagnenstark“ macht: Österreich Werbung hat den „AUTfluencer-Service“ zusätzlich geöffnet, sodass sich weitere Influencer:innen bewerben konnten, um ebenfalls eine Offline-Auszeit zu gewinnen, während ihre Accounts von Locals weitergeführt werden. Das ist clever, weil es aus einer Aktivierung potenziell ein wiederholbares Format macht: Jedes neue Creator-Setup erzeugt eine neue Kombination aus Region, Persönlichkeit und Local-Perspektive und damit neue Storylines, ohne dass die Grundidee erklärt werden muss.

Auch das erste Resümee zeigt, warum diese Mechanik aufgeht: Österreich Werbung berichtet von insgesamt 25 Millionen Views und über 100 Bewerbungen von Influencer:innen aus 15 Ländern.

3. Case 2: Ford Deutschland x Knossi

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Wenn ein neues Auto gelauncht wird, sieht man oft das gleiche Muster: Hochglanz-Spot, schöne Fahrbilder, am Ende ein Claim. Ford ist beim Launch der 6. Generation des Mustang in Deutschland einen anderen Weg gegangen und hat das neue Modell nicht „klassisch beworben“, sondern als Social-Moment inszeniert. Der Schlüssel war eine Kooperation mit Jens „Knossi“ Knossalla, einem der bekanntesten deutschen Creator, der für Entertainment, Selbstironie und eine extrem aktive Community steht.

Das Setup war dabei smart: Knossi bekam als Erster den neuen Mustang in Deutschland. Allein diese „First Access“-Story erzeugt Aufmerksamkeit. Inhaltlich wurde das Auto in TikTok-Trendformate eingebaut, zum Beispiel „Car ASMR“ oder typische Interview-/Meme-Formate wie „What do you do for a living?“, und dann durch Knossis Stil geerdet: selbstironisch, unterhaltsam, klar für TikTok gemacht. Und Ford hat diese Aufmerksamkeit nicht mit einem einmaligen Posting „verbraucht“, sondern den Content schrittweise ausgerollt. Zuerst stand die organische Dynamik im Fokus: Knossis Community reagiert, kommentiert, diskutiert und vor allem: schaut lange zu. Erst im nächsten Schritt wurde skaliert: Die stärksten Inhalte wurden über Spark Ads und In-Feed Ads gezielt verstärkt, um auch Menschen außerhalb der Fanbase zu erreichen.

Die Ergebnisse zeigen, dass dieser Ansatz aufgegangen ist: Die Zusammenarbeit erzielte 1,8 Mio. Views, 38.000 Likes und eine View-Through-Rate von 4,97 % und übertraf damit die ursprünglich gesetzten KPIs deutlich.

4. Case 3: Hornbach Projekt-Meisterschaft

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Bei HORNBACH ging es um eine Challenge, die wie eine Mini-Show aufgebaut ist. Das Prinzip ist ähnlich wie bei bekannten Wettbewerbsformaten: Mehrere Creator bekommen dieselbe Aufgabe und müssen sie unter klaren Bedingungen lösen. Genau diese Bedingungen machen den Content spannend: Man schaut zu, ob es klappt, ob etwas schiefgeht, wie improvisiert wird und wer am Ende das beste Ergebnis abliefert. Das Besondere dabei: Die Creator:innen dürfen ein frei wählbares Projekt bauen, das sie schon immer selbst umsetzen wollten. Dadurch wirkt die Motivation echt, die Ideen sind persönlicher und das Ergebnis hat Charakter.

Im dritten Jahr der HORNBACH Projekt-Meisterschaft zeigen diesmal drei Content Creator mit Hang zum Heim- und Handwerken, wer von ihnen der beste Macher ist. Aber nicht in einer ihnen vertrauten Umgebung und mit Hilfsmitteln der digitalen Welt. Sondern im größten HORNBACH Markt des Landes und mit den eigenen Händen. Mehr als 200.000 Artikel des Projektsortiments ermöglichen ihnen, ihr persönliches Meisterstück innerhalb 7 Stunden zu erschaffen. Dafür stellt Hornbach ihnen den gesamten Projektbaumarkt in Bad Fischau, außerhalb der Öffnungszeit, zur Verfügung.

Was daran außergewöhnlich ist: HORNBACH nutzt Creator nicht nur als Reichweitenkanal, sondern als Protagonist:innen einer Unterhaltung. Die Marke ist dabei nicht „im Vordergrund“, sondern die Bühne: Ohne Baumarkt, Materialien und Tools gäbe es die Challenge nicht, aber die Story gehört den Creatorn. Genau das macht die Inhalte glaubwürdig und gleichzeitig extrem watchable.

5. Case 4: Kleinanzeigen "Lea-prinzip"

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Bei Kleinanzeigen ging es nicht um eine Kampagne im klassischen Sinne, sondern um ein Storytelling-Prinzip, das perfekt zu TikTok passt. Unter dem Titel „Das Lea-Prinzip“ hat Kleinanzeigen Creator:innen bewusst den Raum gegeben, echte Alltagssituationen zu erzählen, die sich nach „passiert mir auch“ anfühlen. Relatable, menschlich, manchmal ein bisschen chaotisch. Genau dadurch wird Second Hand nicht erklärt, sondern fühlbar gemacht. Vertrauen entsteht über Situationen, nicht über Werbesätze. TikTok beschreibt den Ansatz als radikal authentisches Storytelling, das Nähe, Identifikation und Community-Interaktion erzeugt.

Das Setup war besonders smart, weil es die Plattformlogik konsequent nutzt. Zuerst wurden Inhalte organisch getestet. Danach wurden nur die Posts verstärkt, die ohnehin schon funktioniert haben, über Spark Ads. Dadurch bleibt der Content native und wirkt nicht wie Werbung im Creator-Look, lässt sich aber trotzdem kontrolliert skalieren. Für die Umsetzung hat Kleinanzeigen mit mehreren Creator:innen gearbeitet, unter anderem mit Levi Penell und Malte Zierden. Sie übersetzen diese „Kleinanzeigen-Momente“ in plattformspezifische TikTok-Storys, nicht geskriptet wie Werbung, sondern wie Content, den man auch schauen würde, wenn keine Marke dransteht.

Kleinanzeigen gewann bei den TikTok Ad Awards 2025 in DACH in der Kategorie Greatest Creative. Die Zahlen aus TikToks Award-Begründung zeigen, warum. Über 54 Mio. Views, 800.000 Likes, 37.000 Shares plus Brand-Lift-Steigerungen.

Was daran außergewöhnlich ist: Kleinanzeigen nutzt Creator nicht nur als Reichweitenkanal, sondern als Beweisführung. Die Marke steht nicht im Vordergrund, sondern schafft den Rahmen, in dem echte Geschichten entstehen. Genau das macht die Inhalte glaubwürdig und gleichzeitig extrem watchable.

6. Fazit

Erfolgreiche Creator-Kampagnen entstehen nicht dadurch, dass man möglichst viele Posts einkauft, sondern dadurch, dass man Creator als Protagonist:innen ernst nimmt und ihnen ein Setup gibt, in dem sie ihre Stärke ausspielen können. Wenn Plattform-Format, Creator-Stil und Markenrolle zusammenpassen, fühlt sich der Content nicht nach Werbung an, sondern nach Unterhaltung oder echter Erfahrung und wird deshalb länger geschaut, stärker kommentiert und eher geteilt. Wer auffallen will, sollte deshalb weniger „Deliverables“ planen und mehr Mechaniken, Settings und Formate, die Creator:innen und Community freiwillig mit Leben füllen.